Gespräch mit Generalvikar Giebelmann
Ein großer Reiz in seinem Amt

liege in der Gestaltungskraft des Generalvikars, sagt Giebelmann. „Es hat etwas Spannendes, auch mit weniger Geld hauszuhalten und Prioritäten festzulegen.“ Das bisher größte und ehrgeizigste Projekt seiner Amtszeit ist die im November 2004 von Kardinal Lehmann angestoßene Strukturreform im Bistum Mainz. „Bisher war die Zusammenarbeit der Pfarreien in den Pfarrverbänden freiwillig. Weil das in vielen Fällen nicht funktioniert hat, verpflichten wir die Gemeinden jetzt zur Kooperation. Wir brauchen diese Bündelung und Vernetzung von Kompetenzen innerhalb des Bistums.“ Nicht müde wird Giebelmann bei seinen Gesprächen die missionarische Dimension der Reform zu betonen. „Wenn es uns nicht gelingt, den Strukturprozess in einen missionarischen Prozess zu überführen, dann wird er versanden. Die Neuordnung der Pfarreien muss uns befähigen, dahin zu kommen, wo die Menschen sind. Das ist unsere zentrale Aufgabe.“
Mit dem Amt des Generalvikars ist eine große Aufgabenvielfalt verbunden,

die an seinen verschiedenen Titeln deutlich wird. Als Generalvikar hat er vom Bischof die ausführende Gewalt für die gesamte Diözese übertragen bekommen. Als Moderator der Kurie ist er Koordinator sämtlicher Verwaltungsgeschäfte im Bistum. Als Leiter der Bistumsverwaltung untersteht Giebelmann das Bischöfliche Ordinariat. Innerhalb der Bistumsverwaltung leitet er das Zentraldezernat und das Dezernat Pastorale Räte, das unter anderem für die Pfarrgemeinderäte und den Katholikenrat zuständig ist. Zugleich ist er als Ökonom des Bistums für die Finanzen in der Diözese Mainz verantwortlich. Darüber hinaus stehen im Kalender des Generalvikars unter anderem auch zahlreiche Orgel- oder Glockenweihen, Ehrungen und Jubiläen sowie Firmungen und Visitationstermine.
Gespräche sind oft mehr als ein Dienstverhältnis

Von einer Pfarrei in die Verwaltung zu wechseln sei „eine große Umstellung“, sagt Giebelmann. Mit dem Abschied als Pfarrer von Neu-Isenburg im Jahr 1996 hätten sich vor allem die Akzente verlagert. So gehörten Leitungs- und Verwaltungsaufgaben auch für einen Gemeindepfarrer zum Alltag. „Aber als Gemeindepfarrer lebt man konkret mit den Menschen in der Gemeinde und hat Anteil an ihren Lebensvollzügen.“ Das sei bei seinem Wechsel ins Ordinariat weitgehend weggefallen.
Doch auch die Verwaltung eines Bistums ist ein Ort der Seelsorge: „Ich finde hier durchaus pastorale Felder wieder, aber eben auf einer anderen Ebene. Oft sind Gespräche, die ich mit Mitarbeitern führe, mehr als ein Dienstverhältnis und werden zu einem pastoralen Tun.“ Am wichtigsten in seinem Amt sei das Vertrauen zu den Mitarbeitern. „Man muss der Versuchung widerstehen, viele Dinge selbst zu machen und lernen, die Kompetenzen der Mitarbeiter einzubringen und abzufragen.“
Weihbischof Reuß war prägende Persönlichkeit
Giebelmann ist direkt nach dem Abitur ins Mainzer Priesterseminar gegangen und hat sich an der Johannes Gutenberg-Universität für Theologie eingeschrieben. „Ich habe mich im Priesterseminar immer sehr wohl gefühlt. Das Zusammenleben mit 100 Gleichgesinnten unter einem Dach war für mich als Einzelkind eine abenteuerliche Welt und hat mir gut gefallen. So hat sich meine Entscheidung für das Priesteramt gefestigt.“ Eine prägende Persönlichkeit im Bistum Mainz sei für ihn in dieser Zeit Weihbischof Josef Maria Reuß (1906-1985) gewesen.
Der Arbeitstag des Generalvikars
beginnt in der Regel nach der Messe um 7.00 Uhr im Mainzer Dom. Auch abends stehen noch Termine für den Generalvikar an. „Meistens bin ich so gegen 20.00 Uhr zu Hause und oft nehme ich mir Post mit, die schwieriger zu beantworten ist, oder ich schreibe Ansprachen und Predigten, weil das im Tagesgeschäft kaum möglich ist.“
Dietmar Giebelmann wurde am 17. September 1946 in Bad Honnef geboren.
Nach dem Abitur am Johannes-Gymnasium in Lahnstein trat er in das Bischöfliche Priesterseminar in Mainz ein und studierte an der Mainzer Universität Theologie. Am 10. Juli 1971 wurde er durch Bischof Dr. Hermann Volk in Mainz zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Offenbach-Bürgel und Darmstadt-St. Ludwig wurde er 1976 Pfarrer von Urberach-St. Gallus. 1983 übernahm er die Pfarrei Neu-Isenburg-St. Josef. Im Jahr 1989 wurde er zum Dekan des Dekanates Dreieich gewählt und 1994 im Amt bestätigt. Kurz vor seinem Wechsel ins Bischöfliche Ordinariat wurde Giebelmann 1995 zum Sekretär der Dekanekonferenz gewählt. Bischof Lehmann ernannte ihn am 1. Oktober 1996 zum Personaldezernenten und Referenten für die Ordensleute im Bistum Mainz. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied des Geistlichen Rates und Ehrendomkapitular. 1997 wurde er residierender Domkapitular des Mainzer Domkapitels. Papst Johannes Paul II. ernannte Giebelmann 1998 zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Seit dem 1. Mai 2003 ist er Generalvikar des Bistums Mainz.
Tobias Blum
(Anlass des Gespräches war sein 60. Geburtstag am 17.09.06)