Impuls
Mit Gott und Engeln unterwegs
Gehen, laufen, sich bewegen: Das bringt nicht nur den Körper auf Trab. Auch der Geist und die Seele bewegen sich. Was das mit Ostern zu tun hat, dazu lesen Sie hier in den Feiertagsgedanken.
Joggen, spazieren gehen, pilgern mit Gott
Gehen, laufen, mich bewegen: Mir tut das gut, gerade, wenn ich in nicht so guter Stimmung bin. Wenn mich irgendein Ärger oder Kummer beschäftigt oder wenn ich bei einem Problem nicht weiterkomme: Dann zieh ich mir meine Joggingschuhe an und laufe ein paar Kilometer am Rhein entlang. Und es ist wirklich seltsam: Meistens kommt dabei nicht nur mein Körper in Bewegung. Auch mein Geist und meine Seele bewegen sich. Den Ärger kann ich so oft loswerden, und für manches Problem kommen mir neue Ideen.
Auf den Weg machen, um Sorgen loszuwerden: Das haben vor zweitausend Jahren auch zwei Freunde von Jesus gemacht. Sie sind von Jerusalem nach Emmaus gegangen. Und sie waren schrecklich enttäuscht und verstört dabei: Ihr Meister Jesus von Nazareth, auf den sie so sehr gebaut hatten, war schändlich am Kreuz hingerichtet worden. „Wir aber hatten gehofft, dass er es sei, der Israel erlösen würde,“ sagen sie. 60 Stadien sind sie unterwegs, ungefähr 11 Kilometer sind das. Das ist genug Strecke und Zeit, um sich den Kummer von der Seele zu reden. Um alles mal rauszulassen und zu durchdenken.
Ich erlebe das auch: Ein langer Weg zu Fuß, der ist schon deshalb gut, weil er mir eine Auszeit schenkt. Vor 2000 Jahren war es üblich, zu Fuß unterwegs zu sein. Heute fahren wir meistens ratzfatz mit Auto oder Bus von einem Punkt zum anderen. Zu Fuß sind wir selten länger als ein paar Minuten unterwegs. Dabei eröffnet so ein längerer Fußweg Chancen: Ich kann mir meinen Kummer von der Seele laufen. Und dabei vielleicht sogar Neues entdecken.
Die beiden Jünger damals begegnen einem rätselhaften Fremden. Er stellt ihnen Fragen und hört ihnen vor allem geduldig zu. So lichtet sich allmählich das Chaos in ihnen und sie können wieder klarer sehen – bis sie am Ende in diesem Fremden sogar Jesus selbst erkennen. Jesus war mit ihnen unterwegs, und durch ihn: Gott selbst. Es klingt für manchen vielleicht ein bisschen komisch, aber: Wenn sich bei mir beim Joggen das Chaos lichtet, dann habe ich manchmal auch das Gefühl: Da hat jetzt jemand mitgewirkt. Da hat der heilige Geist seine Finger mit ihm Spiel gehabt. Da war Gott mit unterwegs.
Aber es gibt ja auch immer mehr Menschen, die Gott zu Fuß unterwegs erleben. Nicht unbedingt beim Joggen, sondern: beim Pilgern. Zum Beispiel auf dem Jakobsweg. Im fernen Spanien sind die Menschen unterwegs, aber auch in Deutschland, auf dem Pfälzer Jakobsweg zum Beispiel. Und viele entdecken dabei nicht nur sich selbst wieder, sondern auch Gott. Ich denke: Auf solchen Wegen zu Fuß lässt sich Gott wirklich besonders gut erfahren.
Engel auf dem Weg
Ich laufe gerne. Meistens mache ich mich allein auf den Weg, wenn ich am Rhein joggen gehe. Mir tut das gut: in meinem eigenen Tempo zu laufen, vor mich hin zu sinnieren – und dabei mache ich ja manchmal auch göttliche Erfahrungen. Und trotzdem: Ich genieße es auch sehr, zu zweit zu joggen. Seit eineinhalb Jahren laufe ich am Wochenende meistens mit einer Freundin. Wir haben beim Laufen keinen großen Ehrgeiz, das Tempo ist uns egal. Und überhaupt ist Joggen ja am Gesündesten, wenn man dabei noch problemlos sprechen kann. Also gibt uns die Laufstunde am Rhein reichlich Gelegenheit, uns über unsere Woche auszutauschen und über das zu reden, was uns gerade so umtreibt. Da geht es um den Sohn, der sich in der Schulklasse nicht wohl fühlt, oder auch um die krebskranke Freundin, die gerade die nächste furchtbare Diagnose bekommen hat. Ich erzähle, meine Joggingfreundin hört zu – und umgekehrt. Manchmal kommt auch eine Frage oder die andere erzählt von eigenen Erfahrungen in so einer Situation, gibt einen Ratschlag. Und so kommen wir nicht nur auf unserem Weg weiter, sondern oft auch mit den Sorgen, die uns beschäftigen. Und am Ende, nach der Stunde Joggen, fühlen wir uns nicht nur körperlich gestärkt, sondern auch seelisch. Mittlerweile haben wir beide gemerkt: Wir sind richtig dankbar dafür, dass wir so auf gleich doppelte Weise miteinander unterwegs sind. Da ist ein Mensch, der läuft mit mir und hört mir zu, dem kann ich vertrauen, dessen Ratschläge sind mir wichtig.
Für mich ist meine Joggingpartnerin eine Art Engel. Jemand, den mir der liebe Gott zur richtigen Zeit für meinen Weg geschickt hat. So ähnlich wie der Engel beim Propheten Jesaja. Einmal ist Jesaja müde und kommt mit seinen Sorgen nicht weiter. Und da reicht ihm ein Engel Brot und Wasser und sagt zu ihm: Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich! (vgl 1 Könige 19,7) Ein Engel, das ist jemand, der mich stärkt auf meinem Weg, mir Nahrung gibt, für den Leib und für die Seele. Für mich ist das vor allem jemand, der mir zuhört, meine Sorgen ernst nimmt und auch von sich selbst erzählt.
Solche Engel begegnen mir besonders, wenn ich mich zu Fuß auf den Weg mache. Weil so ein Weg eben die Möglichkeit gibt, in Ruhe miteinander zu reden. Sich wirklich mal Zeit füreinander zu nehmen. Einander vielleicht sogar das Herz auszuschütten. So ähnlich wie auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus, den die beiden Freunde Jesu damals gegangen sind. Am Ostermontag wird an sie besonders gedacht. Für sie war Jesus sozusagen auch ein stärkender Engel. Heute kann so ein Engel die Freundin sein, mit der ich einen Spaziergang unternehme. Oder der Partner, mit dem ich zu einer Wanderung aufbreche. Oder eben die Freundin, mit der ich joggen gehe. Ich wünsche Ihnen heute, am Ostermontag, von Herzen gute Wege zu Fuß und einen Engel auf Ihren Wegen!
Beate Hirt, Mainz, SWR 4 Feiertagsgedanken, 9. April 2012, Ostermontag
Kalenderblatt
24.05.2012
7. Osterwoche
Namenstage · Dagmar, Esther, Sophie
Lesung 1
Apg 22,30; 23,6–11
Weil er genau wissen wollte, was die Juden ihm vorwarfen, ließ er ihn am nächsten Tag aus dem Gefängnis holen und befahl, die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat sollten sich versammeln. Und er ließ Paulus hinunterführen und ihnen gegenüberstellen.
Da Paulus aber wusste, dass der eine Teil zu den Sadduzäern, der andere zu den Pharisäern gehörte, rief er vor dem Hohen Rat aus: Brüder, ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern; wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht.
Als er das sagte, brach ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern aus, und die Versammlung spaltete sich.
Die Sadduzäer behaupten nämlich, es gebe weder eine Auferstehung noch Engel noch Geister, die Pharisäer dagegen bekennen sich zu all dem.
Es erhob sich ein lautes Geschrei und einige Schriftgelehrte aus dem Kreis der Pharisäer standen auf und verfochten ihre Ansicht. Sie sagten: Wir finden nichts Schlimmes an diesem Menschen. Vielleicht hat doch ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen.
Als der Streit heftiger wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen. Daher ließ er die Wachtruppe herabkommen, ihn mit Gewalt aus ihrer Mitte herausholen und in die Kaserne bringen.
In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu Paulus und sagte: Hab Mut! Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast, sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.
Evangelium
Joh 17,20–26
Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.
Gebet für den Tag
Mai 2012
Allgemeine Gebetsmeinung des Papstes
„Gott, unser Vater, wir bitten Dich für unsere Familien: Stärke alle Initiativen, die sich um die Bedeutung der Familie bemühen, ihre Rolle stärken und schützen.“
Missionsgebetsmeinung des Papstes
Wir beten vereint mit Maria, der Mutter der Glaubenden: Gott unser Vater, begleite und stärke die Missionare in ihrem Bemühen, Jesus Christus unter allen Völkern bekannt zu machen.
Glaubensportal